Bertelsmann-Studie 2026: Junge Erwachsene sind die einsamste Altersgruppe in Deutschland

Bertelsmann-Studie 2026: Junge Erwachsene sind die einsamste Altersgruppe in Deutschland

Die gesellschaft steht vor einer paradoxen situation : während die digitale vernetzung zunimmt, fühlen sich immer mehr menschen isoliert. Eine aktuelle untersuchung der bertelsmann-stiftung bringt nun eine überraschende erkenntnis ans licht, die bisherige annahmen über einsamkeit in frage stellt. Entgegen der verbreiteten vorstellung, dass vor allem ältere menschen unter sozialer isolation leiden, zeigt die studie ein anderes bild der realität.

Kontext der Bertelsmann-Studie 2026

Methodik und umfang der untersuchung

Die bertelsmann-stiftung hat eine umfassende erhebung durchgeführt, die sich mit dem phänomen der einsamkeit in deutschland auseinandersetzt. Die studie basiert auf repräsentativen befragungen von mehreren tausend personen unterschiedlicher altersgruppen. Dabei wurden sowohl quantitative als auch qualitative forschungsmethoden eingesetzt, um ein möglichst differenziertes bild der situation zu erhalten.

Die forscher konzentrierten sich auf verschiedene dimensionen der einsamkeit:

  • Soziale isolation und die anzahl regelmäßiger sozialer kontakte
  • Emotionale einsamkeit und das gefühl der zugehörigkeit
  • Wahrgenommene unterstützung durch das soziale umfeld
  • Subjektives empfinden von isolation im alltag

Zentrale ergebnisse der untersuchung

Die studie offenbart eine bemerkenswerte verschiebung in der verteilung von einsamkeitsgefühlen über die altersgruppen hinweg. Die daten zeigen eindeutig, dass junge erwachsene zwischen 18 und 35 jahren am stärksten von einsamkeit betroffen sind. Diese erkenntnis widerspricht der gängigen annahme, dass einsamkeit primär ein problem des höheren alters darstellt.

AltersgruppeAnteil mit starker einsamkeit (%)Gelegentliche einsamkeit (%)
18-35 jahre2845
36-55 jahre1832
56-75 jahre1528
über 75 jahre2235

Diese zahlen verdeutlichen, dass nahezu drei von zehn jungen erwachsenen unter ausgeprägter einsamkeit leiden. Die ergebnisse haben weitreichende implikationen für die gesellschaftliche debatte und die ausrichtung präventiver maßnahmen.

Die jungen Erwachsenen : porträt der aktuellen Generation

Lebenssituation und gesellschaftliche rahmenbedingungen

Die heutige generation junger erwachsener wächst unter grundlegend veränderten bedingungen auf. Sie steht vor herausforderungen, die frühere generationen in dieser form nicht kannten. Der arbeitsmarkt verlangt höhere flexibilität und mobilität, was häufig zu ortswechseln und der trennung von gewachsenen sozialen netzwerken führt.

Charakteristisch für diese lebensphase sind:

  • Häufige wohnortwechsel aufgrund von studium oder beruf
  • Unsichere beschäftigungsverhältnisse und befristete arbeitsverträge
  • Hoher leistungsdruck in ausbildung und karriere
  • Finanzielle unsicherheit und steigende lebenshaltungskosten
  • Verzögerte familiengründung und längere phasen des alleinlebens

Digitale native und soziale realität

Junge erwachsene sind als digital natives mit sozialen medien und digitaler kommunikation aufgewachsen. Paradoxerweise scheint gerade diese permanente digitale vernetzung nicht vor einsamkeit zu schützen. Im gegenteil : die studie deutet darauf hin, dass intensive nutzung sozialer medien mit einem erhöhten einsamkeitsempfinden korrelieren kann. Die oberflächlichkeit vieler online-kontakte ersetzt offenbar nicht die tiefe und qualität persönlicher begegnungen.

Die erwartungen an soziale beziehungen haben sich ebenfalls gewandelt. Während frühere generationen oft auf stabile, langfristige freundschaften und familiäre strukturen zählen konnten, erleben junge menschen heute eine größere fluktuation in ihren sozialen netzwerken. Diese dynamik erschwert den aufbau verlässlicher und tragfähiger beziehungen.

Faktoren, die zur Zunahme der Einsamkeit beitragen

Strukturelle und gesellschaftliche ursachen

Die zunahme der einsamkeit unter jungen erwachsenen lässt sich nicht auf eine einzelne ursache zurückführen. Vielmehr wirkt ein komplexes geflecht verschiedener faktoren zusammen. Die moderne arbeitswelt spielt dabei eine zentrale rolle : prekäre beschäftigungsverhältnisse, überstunden und die vermischung von arbeits- und privatleben lassen wenig raum für soziale aktivitäten.

Wesentliche strukturelle faktoren sind:

  • Urbanisierung und anonymität in großstädten
  • Auflösung traditioneller gemeinschaftsstrukturen
  • Individualisierung und fokus auf selbstverwirklichung
  • Fehlende räume für spontane soziale begegnungen
  • Hohe anforderungen an berufliche mobilität

Psychologische und kommunikative aspekte

Die digitale kommunikation hat die art und weise verändert, wie junge menschen beziehungen pflegen. Messenger-dienste und soziale netzwerke ermöglichen zwar den austausch über große distanzen, ersetzen aber nicht die qualität persönlicher interaktion. Die ständige verfügbarkeit führt paradoxerweise zu oberflächlicheren kontakten, während tiefgehende gespräche seltener werden.

Hinzu kommt der druck, sich in sozialen medien optimal darzustellen. Diese permanente selbstinszenierung kann zu gefühlen der unzulänglichkeit führen, wenn das eigene leben mit den idealisierten darstellungen anderer verglichen wird. Die angst vor sozialer ablehnung und das gefühl, nicht dazuzugehören, verstärken das einsamkeitsempfinden zusätzlich.

Auswirkungen der Einsamkeit auf die psychische Gesundheit

Unmittelbare psychische folgen

Chronische einsamkeit hat erhebliche auswirkungen auf das psychische wohlbefinden junger erwachsener. Die studie zeigt einen deutlichen zusammenhang zwischen einsamkeitsgefühlen und verschiedenen psychischen belastungen. Betroffene berichten häufig von niedergeschlagenheit, antriebslosigkeit und einem gefühl der sinnlosigkeit.

Zu den häufigsten psychischen folgen gehören:

  • Erhöhtes risiko für depressionen und angststörungen
  • Vermindertes selbstwertgefühl und selbstvertrauen
  • Schlafstörungen und erschöpfungszustände
  • Konzentrationsschwierigkeiten und leistungseinbußen
  • Sozialer rückzug und vermeidungsverhalten

Langfristige gesundheitliche risiken

Die konsequenzen chronischer einsamkeit beschränken sich nicht auf die psyche. Forschungsergebnisse zeigen, dass anhaltende soziale isolation auch körperliche gesundheitsrisiken mit sich bringt. Das immunsystem wird geschwächt, das risiko für herz-kreislauf-erkrankungen steigt, und die lebenserwartung kann sinken.

GesundheitsbereichAuswirkungRisikoerhöhung
Herz-kreislauf-systemBluthochdruck, herzerkrankungen+29%
ImmunsystemErhöhte infektanfälligkeit+26%
PsycheDepression, angststörungen+64%
StoffwechselDiabetes, übergewicht+32%

Diese zahlen unterstreichen die dringlichkeit, einsamkeit als ernstzunehmendes gesundheitsproblem anzuerkennen und entsprechende gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Lösungen zur Bekämpfung der Einsamkeit

Individuelle strategien und ansätze

Auf individueller ebene gibt es verschiedene bewährte strategien, um einsamkeit entgegenzuwirken. Der erste schritt besteht darin, das eigene einsamkeitsempfinden anzuerkennen und nicht als persönliches versagen zu interpretieren. Viele junge erwachsene scheuen sich, über ihre gefühle zu sprechen, aus angst vor stigmatisierung.

Hilfreiche maßnahmen umfassen:

  • Aktive teilnahme an vereinen, kursen oder interessengruppen
  • Ehrenamtliches engagement in sozialen projekten
  • Pflege bestehender freundschaften durch regelmäßigen kontakt
  • Bewusste reduktion der bildschirmzeit zugunsten persönlicher treffen
  • Professionelle unterstützung durch beratung oder therapie

Gemeinschaftliche und institutionelle angebote

Neben individuellen bemühungen sind strukturelle angebote entscheidend. Kommunen und organisationen entwickeln zunehmend formate, die soziale begegnungen erleichtern. Begegnungszentren, co-working-spaces mit gemeinschaftsbereichen oder nachbarschaftsinitiativen schaffen räume für spontane interaktionen.

Besonders erfolgversprechend sind programme, die gezielt junge erwachsene ansprechen und niedrigschwellige zugänge zu sozialen aktivitäten bieten. Digitale plattformen können dabei als ergänzung dienen, um interessengruppen zusammenzubringen, sollten aber nicht den persönlichen austausch ersetzen. Die kombination aus online-vernetzung und offline-treffen zeigt die besten ergebnisse.

Rolle der Gesellschaft und der öffentlichen Politik

Politische maßnahmen und präventionsstrategien

Die bertelsmann-studie macht deutlich, dass einsamkeit nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches problem darstellt. Politische entscheidungsträger sind gefordert, dieses thema ernst zu nehmen und entsprechende rahmenbedingungen zu schaffen. Einige länder haben bereits ministerien oder beauftragte für einsamkeitsbekämpfung eingerichtet.

Notwendige politische schritte beinhalten:

  • Förderung von begegnungsräumen in stadtplanung und quartiersentwicklung
  • Unterstützung von initiativen und vereinen mit finanziellen mitteln
  • Integration des themas in bildungseinrichtungen und betriebe
  • Sensibilisierungskampagnen zur entstigmatisierung von einsamkeit
  • Forschungsförderung zur besseren erfassung und bekämpfung des phänomens

Verantwortung von unternehmen und bildungseinrichtungen

Auch arbeitgeber und universitäten tragen verantwortung für das soziale wohlbefinden junger menschen. Flexible arbeitsmodelle sollten nicht zu sozialer isolation führen. Unternehmen können durch teambuilding-maßnahmen, gemeinschaftsräume und eine kultur des miteinanders gegensteuern. Hochschulen sollten neben der fachlichen ausbildung auch soziale kompetenzen fördern und räume für begegnung schaffen.

Die digitalisierung muss so gestaltet werden, dass sie soziale verbindungen stärkt statt schwächt. Dies erfordert ein umdenken in der nutzung digitaler technologien und eine bewusste entscheidung für qualität statt quantität in sozialen beziehungen. Nur durch ein zusammenspiel aller gesellschaftlichen akteure lässt sich das problem der zunehmenden einsamkeit wirksam angehen.

Die erkenntnisse der bertelsmann-studie fordern zum handeln auf. Einsamkeit unter jungen erwachsenen ist keine randerscheinung, sondern ein zentrales gesellschaftliches problem mit weitreichenden folgen. Die ursachen sind vielfältig und reichen von strukturellen veränderungen über digitale kommunikationsformen bis hin zu individuellen lebensumständen. Die gesundheitlichen auswirkungen sind gravierend und betreffen sowohl die psyche als auch den körper. Lösungsansätze müssen auf verschiedenen ebenen ansetzen : individuelle strategien, gemeinschaftliche angebote und politische rahmenbedingungen müssen ineinandergreifen. Nur durch ein gemeinsames engagement von politik, gesellschaft und jedem einzelnen lässt sich dieser entwicklung wirksam begegnen. Die studie liefert eine wichtige grundlage für künftige maßnahmen und sensibilisiert für ein thema, das lange zeit unterschätzt wurde.

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